CATALOG II

Catalog DARK LIGHT I refractions

What then is Time ?
Zeit als Proprium des Seienden
// Gedanken von Rik Reinkung zu den Arbeiten von Magda Krawcewicz & Wulf Kirschner

Eine Schweißnaht zieht sich durch den Galerieraum - als unendlich gedachte Linie -
sich über Flächen und Formen ziehend, bleibt sie doch bei all ihrer Materialität - ihrer massiven Präsenz - immer flüchtig.
... ein blosser Zeitstrahl...
Aber was ist Zeit eigentlich ?
Einen Moment nach dem anderen wird aus dem noch-nicht-Sein der Zukunft für einen winzigen Augenblick ohne Dauer Gegenwart,
um dann sobald im nicht-mehr-Sein der Vergangenheit wieder zu versinken.
Beständig geht die Zukunft also durch die unausgedehnte Gegenwart in die Vergangenheit über.
Was ist, ist somit immer nur die Gegenwart.
Aber diese gibt es im Grunde gar nicht.
Sie hat ja kein eigenes Sein, ist sie doch unendlich kurz, ein nicht teilbarer Augenblick, ein Punkt ohne Ausdehnung zwischen Zukunft und Vergangenheit.
Gegenwart ergibt sich erst mit dem Wandel der Dinge, daß nämlich die Formen wechseln und sich ändern.
Veränderung des Seienden bedeutet, daß es aufhört zu sein, was es zuvor war, um sogleich das zu werden, was es soeben noch nicht war.

Augustinus sieht den Wandel im Seienden als ein beständiges Absterben.(1)
In de civitate Dei verdeutlicht Augustinus die conditio des veränderlichen Seienden am Beispiel des Menschen: Seitdem ein Mensch in seinem sterblichen Körper zu sein und leben beginnt, arbeitet mutabilitas-bedingt in ihm beständig etwas auf den Tod hin.
Die verbleibende Lebensspanne wird mit jedem Augenblick gelebter Zeit kleiner, so daß dieses Leben nichts anderes ist als ein Lauf zum Tod hin.

Zugleich zeigt sich im nicht-mehr-Sein des Vergangenen, im flüchtigen Sein des Gegenwärtigen und im noch-nicht-Sein des Zukünftigen eine Spur des Nichts.
Das Seiende steht somit ausgestreckt zwischen Sein und Nichts - mit all seinem Schmerz und seiner Freude.
So wie die Protagonisten in den Bildern von Magda Krawcewicz.



(1) In Io Ev XXXVIII,10: video ibi quandam vitam in eo quod est et mortem in eo quod fuit.


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